Volker Bouffier würdigt das Ehrenamt als „Kern unseres Landes“

Text und Bild: Kai A. Struthoff / Hersfelder Zeitung
Text und Bild: Kai A. Struthoff / Hersfelder Zeitung

Die Marktgemeinde Haunetal hat mit einem Ehrenamtstag vielen verdienten Bürgern für ihr Engagement gedankt. Festredner war der frühere Ministerpräsident Volker Bouffier.

 

Ehre, wem Ehre gebührt: Das dachten sich die Verantwortlichen in Haunetal und haben deshalb verdiente Ehrenamtliche, Vereinsvertreter und den früheren Ministerpräsidenten Volker Bouffier als Ehrengast zum 1. Ehrenamtsfest in die Marktgemeinde eingeladen.

 


„Für viele Bürger ist es selbstverständlich, sich zu engagieren, aber es ist eben keine Selbstverständlichkeit“, sagte Bürgermeister Timo Lübeck. Deshalb wolle man die Ehrenamtlichen „sichtbar machen“ und ihnen in würdigem Rahmen danken. Lübeck freute sich, mit Volker Bouffier einen „Freund der Region“ als Festredner gewonnen zu haben und der ließ sich nicht lange bitten. Mit seiner markanten Stimme und wie immer frei redend brachte er zunächst seine Verbundenheit mit dem ländlichen Raum, aber auch mit seinem CDU-Parteifreund Timo Lübeck und Osthessen zum Ausdruck. Sein Besuch sei ein Ausdruck des Respekts vor den Ehrenamtlichen, die immer „mehr tun, als sie eigentlich müssten“ und damit den „Kern unseres Landes ausmachen“.

 

Dennoch dürfe das Ehrenamt kein „Ersatz für staatliches Handeln“ werden, doch allein könne kein Staat all das leisten. Ehrenamt und Vereinsarbeit machten „einen Wohnort zur Heimat“.

 

Volker Bouffier, der auch im politischen Ruhestand immer noch viel unterwegs ist und unzählige Menschen trifft, ging auch auf das gesellschaftliche Klima im Land ein. „Es wird immer rauer, und das muss uns Angst machen“, mahnte er. Seit der Ermordung seines Freundes Walter Lübcke vor fast genau fünf Jahren „ist nichts besser geworden“.

 

Mit Blick auf den Ukraine-Krieg und das Agieren von Wladimir Putin räumte Bouffier auch Versäumnisse der deutschen Politik ein. „Wir haben viele Jahre nicht richtig zugehört, obwohl Putin gesagt hat, was er eigentlich will.“ Er habe es noch nie erlebt, dass das Vertrauen in den Staat so gering war wie jetzt, und erlaubte sich eine Spitze gegen die amtierende Bundesregierung, die ja vielleicht ein Plan habe, den man allerdings nicht erkenne. Dabei wünschten sich viele Menschen gerade jetzt Orientierung und Führung.

 

Volker Bouffier plädierte dafür, dass man bestehende Probleme auch im Bereich der Zuwanderung und der Kriminalität „klar ansprechen muss, aber ohne Schaum vorm Mund“. Es müsse allen Menschen, die zu uns ins Land kommen klar sein, „dass hier unsere Regeln herrschen“. Zugleich appellierte der frühere Ministerpräsident an alle Anwesenden, zur Europawahl am 9. Juni zu gehen. „Diese Wahl ist wichtig, unsere Gemeinschaft braucht die Demokratie“. Dazu gehörten Kompromisse, auch wenn die oft schlecht geredet würden.

 

Nach diesen eindringlichen und mahnenden Worten fand Volker Bouffier aber auch wieder zurück zu seinem Humor. Mit Blick auf Bad Hersfelds ebenfalls anwesende Bürgermeisterin Anke Hofmann, die Volker Bouffier beim Hessentag kennen- und schätzen gelernt hat, sagte er launig, an diesem Festtag für die Ehrenamtlichen sei Bad Hersfeld nur ein Vorort von Haunetal und hoffte, dass das Beispiel der Marktgemeinde Schule machen werde.